Die Provokation des Lichts


Der spirituelle Weg führt zunächst durch das Ausprobieren zahlreicher Theorien, Philosophien, Praktiken und Lehren. Die frisch erwachte Seele wähnt hinter jeder die endgültige, absolute Wahrheit und das Ego verkündet diese aufgeregt plappernd wie ein kleines Kind, das soeben etwas Neues in der Schule gelernt hat. Widerspricht ein anderes Ego, dann wird das Ego, das sich gerade auf herrliche Weise in einer neuen Theorie täuscht, ziemlich sauer und beginnt mit allen Mitteln, die neu entdeckte „Wahrheit“ zu verteidigen als die einzige, wahre Wahrheit…

Mit zunehmender Bewusstheit aber entwickelt sich auch das Ego, es wird stiller und die Seele dringt immer mehr durch. Irgendwann erkennt die Seele, dass es gar keinen spirituellen Weg gibt, weil jeder Weg der einzige Weg ist, denn alle Wege führen ans selbe Ziel – zur Erkenntnis, dass es in der Unendlichkeit überhaupt kein Ankommen gibt.

– Alle Mühen umsonst, alle Bücher, Lehren und Diskussionen für die Katz – die aber liegt schnurrend hinter dem warmen Ofen, ist gelassen, locker und EINFACH JETZT HIER.

Erleuchtung ist nicht das Ziel, Erleuchtung ist der Grundzustand. Da sind keine Lernaufgaben, keine Lektionen, keine Erfordernisse – da ist nur die Illusion dessen. Erleuchtung ist ein Fingerschnippen, ein einziger Moment des sich er-INNERns. Jeder ist Licht. Jeder ist erleuchtet. Die einzige Frage, die sich stellt, ist:
Wie hell strahlt mein Licht?

Und so habe ich alle Bücher geschlossen, alle Meister verabschiedet, alle Diskussionen beendet. Alleine das Licht, das ich bin, lasse ich erstrahlen, heller und heller. Es ist das Einzige, was von Interesse ist – das Licht, das ich bin.
Und betrete ich einen Raum, dann kann es geschehen, dass man mich hasst, weil das Licht, das ich bin, den Raum so erhellt, dass es den Blick frei macht auf jene dunklen Winkel in den Seelen, in welche die Menschen nie blicken wollten. Und dann neiden sie mir das Licht, das ich bin, weil sie vergessen haben, dass auch sie das Licht, das ich bin, in sich tragen.
Mich aber kostet das ein liebevoll mildes Lächeln des Wohlwollens, denn es gibt keinen Hass, keine Ablehnung, die ich in meiner stillen, warmen Liebe zu dem Licht, das ich bin, nicht über kurz oder lang transzendiere.
In meinem wahren Kern blieb ich stets unberührt.
In meinem wahren Kern blieb ich stets geliebt.
In meinem wahren Kern bin ich jeder.
Dort bin ich auch du.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2011 by David Peterson Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
Creative Commons Licensce

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10 Gedanken zu „Die Provokation des Lichts

  1. so ähnlich geht es mir jetzt auch…..die bücher zu klappen und mein licht strahlen lassen….jeder hat dieses wissen in sich und wie du sagst, gibt es nicht die eine wahrheit….vielen dank für deine anregungen und noch eine wunderschöne zeit……namasté

  2. ja – es dauert lange bis man die „Wahrheit“ erkennt bzw. erkennen will!
    Immer sucht man im Aussen – jedoch ist alles in uns!

    Herzliche Grüße
    Claudia

  3. Lieber David,

    ich wurde von Franziska Morgane (Facebook) auf diesen Artikel aufmerksam gemacht. Seit einiger Zeit studiere ich den „Kurs in Wundern“ und habe mittlerweile auch erkannt, dass wir alle das Licht sind und dass unsere Aufgabe darin besteht, es leuchten zu lassen. Wir werden immer mehr – und eines Tages werden die, die sich heute für „normal“ halten, die Andersmenschen sein. 🙂

    Eine Frage stellt sich mir allerdings: Wie passt das fette und wenig liebevoll formulierte Copyright unter jedem Deiner wertvollen Beiträge zu einem spirituellen Menschen, der sicher längst weiß, dass alles aus einer Quelle kommt?

    Licht und Liebe,
    Jürgen

    • ja, Jürgen, wir werden immer mehr.

      das dicke fette copyright ist der geringe lohn dafür, dass ich meine texte hier gratis veröffentliche, was ich bei ihrer güte, qualität und aussagekraft nicht unbedingt müsste. ich könnte auch fett kohle absahnen damit. der gedanke, dass alles einer quelle entstammt ist wahr, nur heisst das nicht, dass du unter einen Van Gogh deinen namen setzen darfst. ganz einfach, weil du nicht fähig bist, so zu malen.
      im grunde darfst du mir erst eine solche frage stellen, wenn du selbst dein haus, dein auto, deine kleider und sogar deine partnerin mit aller welt grosszügig teilst. bis dahin solltest du zuerst denken, denn fragen… ein kleiner rat vom Andersmensch. 😉

      und es ist nötig, da immer wieder meine texte unter fremden namen veröffenticht werden. ich habe das recht UND auch die pflicht von verlagsseiten, dieses copyright anzugeben.

      licht & liebe

    • Lieber David,

      einmal davon abgesehen, dass Du das Copyright gar nicht angeben müsstest, da Dir dieses Recht vom Gesetz ohnehin grundsätzlich eingeräumt wird, hinkt Dein Vergleich. Gedanken kannst Du leicht mit aller Welt teilen (dank des Internets ja noch viel einfacher als je zuvor), ohne dass Dir dadurch etwas verloren geht – im Gegenteil, sie stoßen sogar weitere Gedanken an und vermehren sich dadurch.

      Dinge, die nur einmal vorhanden sind, können wir auch nur begrenzt teilen. Wir haben uns nun einmal dazu entschlossen, zumindest für den Moment in dieser Illusion von Zeit und Raum zu leben. Wenn alle Menschen in meine Wohnung wollten, würde es ziemlich eng, so sehr mir auch jeder herzlich willkommen wäre. 😉 Wenn wir das Ego draußen lassen, hätten vielleicht alle Platz, wer weiß.

      Und Menschen gehören – wenn man es überhaupt so ausdrücken kann – nur sich selbst, „meine“ Partnerin gibt es deshalb gar nicht.

      Den eigenen Namen unter ein Werk eines anderen zu setzen ist natürlich etwas, das die Leser Deines Blogs hoffentlich nicht tun. Dass es gerade in Zeiten des Internet viele Menschen gibt, denen jedes Unrechtsbewusstsein in dieser Hinsicht fehlt, weiß jeder, der nur einmal auf YouTube unterwegs war.

      In einer idealen Welt würde jeder seine Wertschätzung in angemessener Weise zum Ausdruck bringen, wenn Deine Gedanken sein Leben bereichern. Wenn wir wollen, dass es einmal so ist, dann müssen wir den ersten Schritt tun. „Geben und empfangen“ wird dann hoffentlich irgendwann mehr sein als eine Worthülse, die nett klingt.

      Namasté,
      Jürgen

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