Von Falken und Steinen


Einmal, in einer Sommernacht,
in einem mir fremden Land,
da blickte ich in das Gesicht einer Frau
und sah all ihre ungeborenen Kinder.
Ich legte ihr unter fließendem Wasser
die Hand mit meiner ganzen Liebe darin aufs Herz
und fühlte all ihre unerfüllten Träume.
Ich versprach wortlos,
jeden Zweiten davon zu erfüllen.

Einmal, in einer Sommernacht,
an einem ihr fremden Ort,
da sah eine Frau in mein Gesicht
und erblickte all meine vergangenen Leben.
Sie legte mir im wehenden Wind
die nackten Füße mit jedem ihrer Wege in den Schoß
und wusste all meine ungegangenen Schritte.
Sie versprach wortlos,
jeden Zweiten mit mir zu gehen.

Einmal, in einer Sommernacht,
in einem heiligen Raum,
da liebte ich eine Frau und sie liebte mich
und der Himmel kam auf die Erde hernieder.
Wir bluteten auf weißen Laken,
füllten die Welt mit Atem, mit reinem göttlichen Licht
und verschmolzen zu einem Wesen.
Wir versprachen einander wortlos,
dies Wesen zu lieben als unser Kind.

Am Schloss gegenüber saßen wissend die Falken
auf einem Stein.
Ihr Ruf hallt noch immer.

– David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2011 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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3 Gedanken zu „Von Falken und Steinen

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