Die Kaiserin des Narren


Niemals noch war’s mir gegeben,
die Wehmut heiter fern zu lassen,
dein blendend Bild aus mir zu löschen,
es endlich tapfer zu verbrennen,
damit es nicht verloren geht.

In den Hallen meines Herzens
ist es wo du ewig wohnst,
da hab ich dir einst Platz gegeben,
damals unter Sommersternen.
Dieser Thron ist dein
in diesem wie im nächsten Leben.

Bitter müssen wir nun lernen,
die Verbindung neu zu knüpfen,
einander zart im Tanz zu halten,
ohne zu besitzen,
weil ein Schritt der Seele endet,
wo jene andere den Raum ergreift.

Schätze musst du nun nicht teilen,
möchte mich bloß ein Kleinod
unter deinem Reichtums wissen,
dir all jene Seelenstücke reichen,
die bisher ich dir vorenthielt.

Ehrlich wie ein warmer Juliregen
will ich dir offenbaren mich,
dein Weinen nicht mehr bremsen,
Schleusen öffnen und die Flut
zu einem Rinnsal küssen.

Sei befreit durch mein Hier Sein
und inspiriert,
so wie mich die Muse küsst,
wenn dein Licht in meiner Nähe weilt,
kein Versprechen aber
soll uns mehr ketten und verbinden.

Dein Lachen wandert,
wandert über meine Narreteien,
flattert über späte Sommerwiesen
deines ewigen Gesichts
wilden Schmetterlingen gleich,
während meine Augen Fotos schießen
als Beitrag für das staubige Archiv.

Närrische Geschichten eines Lebens
schreiben schweigend meine Finger
über deine Mondscheinhaut,
und Anekdoten deines Weges
malt mein Geist mir aus
mit kräftig hellen Farben,
die deine weiche Stimme mischt.

In meinem Seelengarten spielst du,
völlig frei und ungezwungen
über seine Felder laufend
wie ein nacktes Kind,
weil ich weiß,
wie gerne du dort barfuss streunst
durch meine bunten Reiche,
die in finstren Winkeln Urwald sind.

Aus dunklen Schlachten komme ich,
müde, blutend, hungrig auch,
ungestillt und wund
einem Säugling gleich,
um an der Liebe warmen Bauch
über Torheit Tränen zu vergießen,
von Heldentaten nicht berichtend,
nein, erzählend von der Eiswelt,
die mich ohne dich empfängt.

Frieden finde ich dann endlich,
in unseren Körpern eng umschlungen,
die brennend in den Dialog vertieft,
wenn du erneut den Mann erkennst,
dem du den Schwur der Liebe gabst,
bevor die Züge nachts entgleisten.

Seine Narben wirst du zählen,
wirst sie küssen,
und ihn fragen, welche davon
du geschlagen,
aber er wird lächeln,
vornehm lügen und dir flüstern,
dass du nichts verwundet hast.
Denn reuig findet dich das Wissen,
da du kalt das Herz des Narren hältst.

David P. Pauswek – Der Andersmensch

© 2011 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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2 Gedanken zu „Die Kaiserin des Narren

    • oh, herzlichen dank!

      dein feedback ist balsam für meine seele, denn ich musste feststellen, dass die meisten mit den „klassikern“ nicht gut können… wähnte diesen geistigen erguss bereits als stiefkind, doch wie ich erkennen darf, gibt es doch noch einige, die mit einer etwas „feineren klinge“ ihr freude finden… 😉

      licht & liebe

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