Die Schattenlegion


(kleine Ballade vom Weltuntergang)

Jenseits der Nacht,
hinter dem Mond,
wo Fürst Schrecken
mit seinen Schergen wohnt,
da ragt ein Turm so dunkel,
kalt und mächtig,
aus steinernen Seelen erbaut
– Oh prächtig!

Da wo der Dämonen Schmiede ewig glühend Feuer,
scharen sich zahlreich, grässlich Ungeheuer
– ein teuflisch schwankend Geisterreigen,
Ringelreih in stillem Schweigen.

Inmitten all dem Grauen
mit seinen Guhlen,
seinen Schlangenfrauen,
lässt eine Gestalt
mit eisig Klauen,
der Fürst, der Herr sich zeigen:

Ein Kleid – so schwarz wie Rabenschwingen –
heißt seinen Knechten stumme Oden singen.
(In manchem Traum ertönt ihr zartes Klingen!)

Düster, dunkel – reglos harrend
wie ein Schatten – thront der König;
mit tödlich Blicke starrend
auf sein finster steinig Land.

(Ach, lasst uns klagen um die verlor’nen Seelen!)

Dem Verzweifelten
bricht kein Sonnenstrahl das Herz.
All das Gold,
der laue Frühlingsregen,
der Mädchen pfirsichjunge Haut
sind nur noch dumpf=vergang’ner Schmerz.

Der Nächte Fürst:
Sein grausam flammend Banner weht
auf höchster zackig Zinne.
Im Turme,
der da drohend steht,
hält keine Peitsche inne.

– Es naht der Meister mit seiner Legion!

Am Horizont,
jenseits der Hügel,
färbt sich der Himmel rot.
Der Finst’re bringt uns Verderben,
er schenkt uns den Tod.
Die tosend schwarze See,
die Monsterherde,
es donnern die Hufe
der Geisterpferde.
Wie rasend,
wie wütend
in purpurnem Feuer
brennende Erde.

Das Ross des Wahnsinns ziert nun den Himmel – er glüht!
All die Paläste, der Prunk und die Pracht sind verblüht.

Die letzten Qualen
zaghaft vergehen,
ein Sturm will die Schreie
der nun Toten verwehen.
Doch plötzlich,
mit einem Mal,
wie durch den Streich
einer Klinge aus Stahl,
breitet sich übers verheerte Land
des Dunklen Fürsten Wille.
So herrscht nun
durch grausame Hand
zum ersten Male
herrlich Stille!

David P. Pauswek – Der Andersmensch (1993)

© 2011 by David P. Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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