Die Unmöglichkeit der Liebe


Über die Liebe wurde seit Anbeginn der Zivilisation so Vieles gesagt. Es erscheint auch mir in diesem Moment nahezu unmöglich, diese Zeilen zu verfassen, denn alles, was ich schreibe, stammt im Grunde aus eigener Erfahrung, entspringt dem persönlichen Erleben. Ich erfahre das hier nämlich gerade selbst, bin ebenso mit der Unmöglichkeit der Liebe konfrontiert. Doch das Unmögliche hatte schon immer einen starken Reiz auf mich. Ich gebe auch gerne zu, dass wohl auch ich die Liebe bisher nicht verstanden und nicht so gelebt habe, wie ich das gerne getan oder hätte tun sollen.

Bevor ich aber nun loslege, ist es mir von großer Wichtigkeit, meine Leserinnen wieder einmal daran zu erinnern, dass alles, was ich hier von mir gebe, bloß meine eigenen ganz persönlichen Ansichten widerspiegelt (die sich bestimmt laufend wandeln, was unvermeidlich ist, da auch ich der Evolution unterliege). Man betrachte diese Zeilen deshalb mit dem nötigen Abstand und nehme nichts persönlich.

Wir leben in einer extremen Zeit. Vielleicht behauptete das bisher jede Generation, doch darauf will ich in diesem Artikel nicht eingehen. Vielmehr möchte ich auf eine augenfällige Wandlung hinweisen, die sich im Bereich Beziehung und Partnerschaft bemerkbar macht. Eine Wandlung, von der wohl jeder – auch ich selbst – in irgendeiner Weise betroffen ist.

Jeder Mensch wünscht sich Liebe, das steht mit Sicherheit außer Frage. Fast alle hoffen auf eine erfüllte Partnerschaft, doch befinden wir uns in Zeiten, die es uns unmöglich machen, einander so zu lieben, wie wir das gerne täten, wie es unsere Herzen in ihrem Kern ersehnen.

Woran liegt das? Nun, das liegt zum Großteil wohl an medialer Suggestion durch TV, Rundfunk, Printmedien und Internet sowie dem Mangel an persönlichen Schutzmaßnahmen gegenüber dieser Art der Massenmanipulation, aber auch an unserer Erziehung und den althergebrachten Rollenbildern, die wir widerspiegeln. Tag ein Tag aus werden wir mit Bildern und Phrasen bombardiert, die uns sagen wollen, dass wir NICHT lieben sollen und wenn, dann nur unsere eigenen Sehnsüchte und Bedürfnisse. Unsere Eltern haben uns das vorgelebt. Die Medien in der Hand der Wirtschaftsmächte setzen dem Eins drauf.

Wir sollen das Duschgel, die Schuhe, den Mittelklassewagen lieben, aber niemals Andere und schon gar nicht uns selbst. Wir sollen diese Produkte zwar kaufen, um dafür Anerkennung (Liebe?) zu erhalten, aber wir sollen auch hübsch und brav Singles bleiben, denn das ist für die Wirtschaft von Vorteil. – Singles sind einsam, unzufrieden und deshalb aktiv, um die innere Leere zu kompensieren, was zu gesteigertem Konsumverhalten führt. Alles wird nur noch konsumiert, bis es an Reiz verloren hat, um dann gegen neue Konsumgüter getauscht zu werden. Ist das Mobiltelefon überaltert oder kaputt, wird es gegen ein neueres oder funktionierendes getauscht. Ähnlich gehen wir bisher auch mit Beziehungen und Partnerschaften um. Das resultiert in einer erkalteten, lieblosen Gesellschaft. Und wir in den Erst-Welt-Ländern leben in dieser Gesellschaft. Wir sind diese Gesellschaft.

Doch das Leben wäre nicht das Leben, wenn es zu all dem nicht eine Gegenströmung gäbe. Hinter der ganzen Single-Konsum-Maskerade spielt sich auf einer feinstofflichen Ebene, der spirituellen Ebene, etwas ganz Anderes ab.
Seelenpartner finden sich. Sie platzen einander ins Leben und passen meist gar nicht so recht ins momentane Geschehen des Einzelnen. Viele erfahren genau dies zurzeit. Plötzlich taucht da ein Mensch auf, der perfekt passt, auf den man scheinbar schon ewig gewartet hat. Man weiß nicht, was man nun tun soll.
Manche stecken noch in einer bestehenden Beziehung oder haben sich an ihr egoistisches Single-Dasein gewöhnt, wollen es gar nicht mehr aufgeben. Einige haben auch die Nase gestrichen voll, sind frustriert und desillusioniert von Beziehungen und den bislang damit verbundenen Enttäuschungen.
Wie sich dies nun im individuellen Falle auch zutragen mag – der Seelenpartner ist plötzlich da. Sein Auftauchen dreht alles um, stiftet Verwirrung. Im Inneren wie im Außen. Man fühlt sich magisch zu ihm hingezogen, spürt, man kann nicht mehr ohne ihn, weiß aber auch noch nicht so recht, wie mit dem seelischen Pendant umzugehen sei.

Probleme tun sich auf. Alte Ängste kommen hoch, von denen man dachte, man hätte sie längst überwunden oder man wusste gar nicht, dass sie überhaupt in einem schlummerten. Aber mit einem Male sind sie da, stellen sich zwischen einen selbst und die neue Liebe. Man hat das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Eigentlich müsste man Altes aufgeben, vielleicht sogar aus einer bestehenden Beziehung ausbrechen, sich voll und ganz auf ein neues Spiel einlassen, dessen Regeln man nicht kennt, denn die Begegnung mit dem Seelenpartner kommt einem Quantensprung gleich. Quantensprünge bedeuten immer komplette Umwälzung des Vorhandenen. Zuvor herrscht Chaos.
Dem Ruf der Liebe aber zu widerstehen ist eine Unmöglichkeit, denn Liebe ist immer noch die stärkste Antriebskraft und das höchste Motiv des Menschen. Selbst, wenn das dem Menschen nicht immer bewusst ist. Gegenwehr ist also zwecklos.

Ein interessantes Muster in dieser Zeit ist jenes, dass die Begegnung mit dem Seelenpartner stets zwei Archetypen von Menschen trifft: Der Eine leidet seit jeher an Verlustängsten, während der Andere Angst hat, Liebe anzunehmen, sich darin fallen zu lassen.
Das führt zu anfänglichen Schwierigkeiten und dem Aufbrechen alter Angstdepots. Man liebt sich innigst vom ersten Augenblick an, gleichzeitig stößt man einander doch ab. Es scheint zu Beginn unmöglich, diese neue Liebe leben zu können. Zu groß wirken die inneren Hindernisse und Blockaden.
Einerseits hat man endlich gefunden, wonach man sucht, andererseits erscheint es zu schön, um wahr zu sein. Oft ereignen sich leidenschaftliche Begegnungen auf höchster seelischer Ebene, aber zu einer dauerhaften Verbindung kommt es vorerst nicht. Es ergeben sich Trennungen und Wiedervereinigungen. Dies kann sich mehrmals in Folge vollziehen. Alles wirkt chaotisch und wirr. Manchmal auch hoffnungslos. Doch es besteht immer Hoffnung.

Ich persönlich glaube, dass sich zwar zurzeit die Seelenpartner finden, eine dauerhafte Verschmelzung aber aufgrund der herrschenden Zeitqualität einfach noch nicht möglich ist.
Jeder Einzelne hat dieser Tage noch zu viel an sich selbst zu arbeiten. Das Bewusstsein wandelt sich rasant. Es gilt, sich selbst anzunehmen, die Eigenliebe zu entdecken, diese zuzulassen, alte Muster aufzulösen, sich selbst neu zu erschaffen. Erst wenn diese Arbeit abgeschlossen ist, kann eine stabile und andauernde Verbindung mit dem Seelenpartner entstehen.
Dabei mag man sich darum sorgen, den seelischen Gegenpart während des Selbstfindungsprozesses wieder zu verlieren, doch das wage ich zu bezweifeln, denn was Gott zusammengeführt hat, das wird der Mensch nicht trennen. Das wichtigste in dieser Zeit ist wohl Geduld. Sowohl mit sich selbst als auch mit dem Partner. Und eine große Portion Glauben kann dabei ebenfalls nicht schaden.

Wir alle sind also immer wieder mit der Unmöglichkeit der Liebe konfrontiert. Das Schöne an der Liebe ist jedoch, dass sie das Wort „unmöglich“ nicht kennt. Und so sage ich abschließend:
Harret der Dinge, Liebende! Die Zeit ist auf unserer Seite!

– David Peterson Pauswek

© 2011 by David Peterson Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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25 Gedanken zu „Die Unmöglichkeit der Liebe

    • Hallo, hier gibt es so wunderschöne Bilder. Ist es erlaubt diese zu kopieren?
      LG. ***Fatima***

    • hallo Fatima!

      es besteht kein copright meinerseits auf die bilder… auf die texte allerdings schon. wenn dir ein bild gefällt, dann nimm es dir einfach… 😉

      licht & liebe

  1. wie es schon im „buch der bücher“ steht.

    die liebe hört niemals auf
    ob prophetengaben, sie gehen zu ende
    ob reden in zungen, sie werden aufhören
    ob erkenntnis, sie nimmt ein ende

    denn stückwerk ist unser erkennen
    und stückwerk unser prophetisches reden

    kommt aber die vollendung
    wird das stückwerk abgetan werden

    (1 kor 13,8-10)

    • dem ist wohl nichts hinzu zu fügen, liebe Marion! 😉

      danke, für dein schönes feedback… 🙂

      licht & liebe

  2. hmmm, glaubte eigentlich, durch zufall auf deine seite gestoßen zu sein, doch weit gefehlt! genau so fühle ich derzeit, wie du es hier beschreibst! fantastisch diese gefühle in worte gefasst hier zu lesen…!!! sie geben mir kraft, hoffnung und mut! ich danke dir sehr dafür 🙂

    alles liebe
    christa

    • nein, mittlerweile glaube ich nicht mehr an zufälle! hatte vor 3 jahren einen schweren brocken zu verdauen…viele nennen es „schicksalsschlag“…ich nenne es jetzt „geschenk“! und bin dankbar für alles, was danach so in mein leben getreten ist und voller neugier, was noch alles auf mich zukommen wird. darum…natürlich!…auch kein zufall, dass ich hier gelandet bin! 😉

    • 😉 in meinen seminaren erkläre ich gerne, dass alles, was auf erden fällt, von oben kommt, sonnst kann es nicht fallen… wenn wir „oben“ mit „höher“ gleichsetzen, dann wissen wir auch, woher etwas kommt, das einem zu-fällt… von höherer stelle. und die hat immer einen plan. 😉

      wünsche dir licht & liebe und alle segnungen des lebens. so sei es. amen. 🙂

  3. Genau das was Du schreibst kenne, lebe ich. Es hat über 4 Jahre gedauert, mit vielen Pausen und viel hin- und her. Bis er dableiben konnte. Jetzt sind Wir hier. Wie Du es sagst mit unseren alten Ängsten. Und wie Du schreibst es geht um uns selbst, und um die Liebe zu uns. Um das Glauben und Vertrauen. Vieles kann man nur für sich selbst „lösen“. Aber Wir sind zu Zweit, und das hilft. Gegensatz und Ergänzung. Glaube und Zweifel. Bleiben und Sein.
    Danke für deine Zeilen. Es ist schön sich zu erkennen.

    Viele Grüße
    „Glaube, Liebe, Hoffnung, diese Drei…..“

  4. Danke für deine Worte.
    Im Zeitfenster leben gibt es viele Möglichkeiten. Eines fällt mir jedoch sehr Deutlich auf. Wir können eben uns auf den Seelenpartner Fixieren und gleichzeit daran glauben das es auf Grund der Zeit usw. eben doch keine Erfüllung gibt.
    Es ist und bleibt unsere Entscheidung haben wir ein volles Ja für uns selber und den anderen oder nicht. Sind wir bereit, die EIGENEN Grenzen zu sprengen um dem Gemeinsamen Raum, Raum zu geben. Miteinander entsteht, dadurch, das das gemeinsam Sein, Ehrlich zu sich und damit auch klar dem anderen gegenüber.

  5. Ich finde es sehr wahr und schön was ich hier lese. Doch kann es nicht auch sein, dass der größte Liebesdienst auch sein kann, dass sich die wahre Liebe nicht erfüllt und man den anderen eben da stehen lassen muss wo er eben steht…und man selber aber weitergeht in seinem Leben.

    • liebe Nena!

      natürlich kann das auch sein. in gottes unendlichem universum kann und muss sogar alles sein können… ich nehme aber an, das in dem von dir beschriebenen fall beide weitergehen, nur halt in unterschiedliche richtungen… meistens aber dreht sich die unendlichkeit im kreis und so begegnet man sich irgendwann wieder in der ewigkeit… das ist doch irgendwie auch ein tröstlicher gedanke… 😉

      danke, für dein feedback. ❤

      licht & liebe

  6. ich habe in Deinen wundersamen Worten besonders eine Passage herauslesen können, die für mich wichtig war, Geduld, und diese ist bei mir immer noch am üben,so viele heilsame Buchstaben, Gefühle und soviel LIEBE; die von Dir rüber kommt, ich weiss garnicht wie wir Dir, die wir alle daran teil haben ,danken könen,lieber David, danke für Dein Sein und Alles

  7. Danke für diesen wundervollen Text. Er kommt „wie gerufen“, passt wie die Faust aufs Auge zur momentanen Chaos-Gefühls- und Gedankensituation und klärt gleichzeitig ganz stark auf. Beim Lesen lösen sich Fragen in Selbstverständlichkeiten auf. Ich lese es und nicke die ganze Zeit. 🙂 Jetzt weiß ich, wie ich ansetzen kann und finde die Ruhe und Sicherheit wieder, die ich verloren glaubte.

    Herzlichen Dank! 🙂

  8. Ich danke Dir für diese wunderbaren Worte. Sie zeigen mir, dass ich nicht damit alleine bin (obwohl ich das schon weiß). Die Lösung – die Liebe, vor allem zu sich selbst – ist so einfach, aber im Leben ist das Einfachste oft das Schwierigste. Und mit der Geduld hab ich’s auch nicht so, zumindest mir selbst gegenüber. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.
    Deine Worte geben mir Kraft, weiter zu gehen, weiter in mein innerstes vorzudringen und mein Licht heller werden zu lassen. Deine Worte geben mir Hoffnung für MICH, für uns, für die Liebe.
    Danke!!!

    • und deine worte geben MIR kraft, weiter zu machen, liebe Nicoletta! danke für dieses wunderschöne feedback…

      möge die liebe dich finden und du die liebe in dir und möge euer tanz ein sonnenfeuer für all jene sein, die ihre liebe noch suchen…

      namasté.

  9. „Ein interessantes Muster in dieser Zeit ist jenes, dass die Begegnung mit dem Seelenpartner stets zwei Archetypen von Menschen trifft: Der Eine leidet seit jeher an Verlustängsten, während der Andere Angst hat, Liebe anzunehmen, sich darin fallen zu lassen.“
    Ich finde, dass zieht sich schon über viele Generationen hin und hat nichts mit „dieser Zeit“ zu tun.
    Aber in „dieser Zeit“ sind viele Menschen wacher und aufmerksamer und ich habe Hoffnung, dass eben diese vielen Menschen es schaffen werden sich auf den Seelenpartner einzulassen.
    Mich eingeschlossen!

  10. So ist es mir im Sommer 2011 auch ergangen. Ich habe mich in der Liebe komplett verloren und habe dafür alles aufgegeben. Nach kurzer Zeit war alles vorbei und jetzt bin ich dabei mich selbst (wieder-)zufinden. Ab und zu sehen wir uns in kurzen Begegnungen. Sie häufen sich dann aneinander und dann sehen wir uns wieder ein paar Wochen nicht. Ich habe Abstand gewonnen doch ist er ständig in meinem Herzen und Gedanken. Die Gefühle sind gewaltig. Vor fast 3 Monaten wollte er mich ansprechen doch ich hab es nicht zulassen können. Wie verrückt 😉

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