Der Weg nach Kinderstadt


Wenn ich auswandern würde, dann wüsste ich schon wohin – nach Kinderstadt!

In Kinderstadt, da gibt es keine Zäune und Tore, sondern nur offene Welt.
In Kinderstadt, da ist man an Regentagen genauso fröhlich wie an Sonnentagen und es gibt keinen Wecker, der Träume zerfetzt früh am Morgen, wenn selbst die Playmobil-Bauarbeiter noch schlafen.
In Kinderstadt gibt es keinen Bürgermeister, keinen Präsidenten, keinen König, denn es gibt auch keine Gesetze, außer das der Freude & des Spaßes.
In Kinderstadt ist das Lachen, das wild- und das nackt Sein erlaubt und das Verbieten ist verboten.
In Kinderstadt ist der Spielplatz die ganze Welt und Tauben sind Adler, die Würmer manchmal Schlangen und ein Baumstumpf, der zur Hälfte mit Laub bedeckt ist, ein Drache, der manchmal lieb, manchmal fürchterlich sei kann.

In Kinderstadt ist jedes Mädchen eine Prinzessin, eine Meerjungfrau, eine Fee und jeder Junge ein Jedi-Ritter, ein Power Ranger, ein Held, aber die meiste Zeit über sind alle Engel.
In Kinderstadt riecht alles so gut wie der Kopf eines Säuglings und alles schmeckt nach dem Besten, was man nur essen kann.
In Kinderstadt hat jeder Recht, denn alle sprechen nur die Wahrheit, weil in Kinderstadt das Lügen gar nicht existiert.
In Kinderstadt hat jeder seine Aufgabe, man kann sie aber auch ganz einfach tauschen an Tagen, an denen ein Anderer sie erledigen mag oder wenn man mal einfach keine Lust hat, sie zu erfüllen.
In Kinderstadt wird keiner verlassen, vergessen oder ausgelassen, denn Kinderstadt kann nur Kinderstadt sein, wenn alle dabei sind.

In Kinderstadt heißt jede Strasse „Liebesstrasse“ und jeder Platz ist „Der Platz der Freiheit“, denn in Kinderstadt muss man keine Adresse wissen – man ist in jedem Haus zuhause.
In Kinderstadt sind Schnecken auch Rennpferde und Raupen bereits Schmetterlinge ohne Flügel.
In Kinderstadt macht alles, was man erlebt, beim 101. Mal immer noch Spaß wie beim ersten Mal, weil man in Kinderstadt nur zu einer Zeit lebt – jetzt!
In Kinderstadt fragt man den Anderen, den man sympathisch findet, ganz einfach und offen: „Willst du mein Freund sein?“, denn in Kinderstadt fürchtet man sich nicht voreinander.
In Kinderstadt verborgt man gerne sein Lieblingsspielzeug, weil man weiß, man bekommt es wieder zurück.
In Kinderstadt bezahlt man nicht für die Dinge, aber man kann sie tauschen und dabei ist es egal, ob das Ding, das man im Tausch bekommt, schon mal gebraucht wurde, da in Kinderstadt die Dinge nur den Wert haben, den man ihnen beimisst.

In Kinderstadt leben nur Kinder und wer Kinderstadt finden möchte, um dorthin auszuwandern, der muss einen Stein hochheben, die Ameisen und Asseln darunter freundlich grüßen und dann in einem Wurmloch verschwinden. Auf dem weiten, weiten Weg nach Kinderstadt muss man selbst immer kleiner werden, bis man wieder ungefähr fünf Jahre alt ist und wenn man das geschafft hat, dann sieht man schon die ersten bunten Häuser aus deren Schornsteinen Zuckerwatte quillt. Man hört helle Stimmen lachen und spürt ein Kribbeln wie zwei Tage vor Weihnachten im Bauch.
Wenn man dann seine Schuhe auszieht und barfuss durch eine bunte Wiese läuft, dann findet man ein Schild auf dem steht:

„Herzlich willkommen in Kinderstadt! Wir wissen zwar nicht, wie Du heißt und wer Du bist, aber wir haben Dich jetzt schon lieb. Übrigens: Nasenbohren erlaubt! Ääätsch!“

– David Peterson Pauswek

© 2011 by David Peterson Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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9 Gedanken zu „Der Weg nach Kinderstadt

  1. Das kenn ich, das kenn ich, da war ich schon, da war ich schon … ich kannte nur den Namen nicht. 🙂
    DANKE ! Licht & Liebe …

    • 😀 😀 naja, dann wissen wir ja, wo wir einander immer wieder treffen werden, liebe Jessi. 😉

      danke für dein feedback. 🙂

      licht & liebe

    • liebe Nicole!

      zunächst mal finde ich es schön, dass dir der artikel so gut gefällt. 🙂 wenn du ihn auf fb als notiz veröffentlichst, ist das ok für mich, wenn du dazu eine quellenangabe machst, dann ist es SEHR ok, denn dann freut sich mein ego… 😉

      licht & liebe

    • Selbstverständlich mit Quellenangabe, gar keine Frage 🙂 Wer dies liest und genauso viel Freude dran hat wie ich, sollte doch auch wissen, wer der Urheber von solch inspirierenden Texten ist und wo er mehr davon findet 🙂

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