Was die Raupe zu sagen hat


Wir kamen nackt und unbedarft in diese Welt. Wir begannen Fragen zu stellen und fragten doch an der falschen Adresse, denn jene, die uns die Welt erklärten, hatten sie selbst nicht verstanden, weil sie in ihrer Kindheit jene fragten, die die Welt ebenfalls nicht verstanden hatten.

Wir begannen uns Meinungen zu bilden aus Meinungsbausätzen, die wir aus Medien und fremden Köpfen empfingen. Selten gründeten wir unsere Ansichten auf unsere eigenen Erfahrungen, welche in Wahrheit die EINZIGE Grundlage für unsere Weltanschauung bilden sollten. Dies taten wir aus gutem Grunde, denn wir erkannten sehr rasch, dass das Vertreten eigener Ansichten zu Ausgrenzung, Spott und Einsamkeit führte. So fällten wir Urteile über Sachverhalte, die wir niemals am eigenen Leib erfahren hatten, konstruierten Meinungen zu Menschen aus fernen Ländern, zu politischen Geschehnissen, die wir nur vom Hörensagen kannten. Wir entwickelten zu diesen Fertigteil-Ansichten sogar Emotionen, begannen deswegen zu hassen und zu lieben, zogen in Kriege und richteten Menschen für Ideologien, die nicht mal die unseren waren.

Wir vergaßen tatsächlich wie es sein kann, wenn man seine eigenen Gedanken denkt, sich seine eigene Meinung bildet auf Grundlage eigener Erfahrung, hatten verlernt, uns eine eigene Identität zu schaffen und übernahmen dafür jene, die uns Eltern, Lehrer, Spielkammeraden oder Partner zuwiesen, indem wir sie nach ihrer Meinung über uns befragten – Meinung, die auf Vorurteilen und persönlichen Perspektiven gegründet war, denn unser Nächster ist für uns ein fernes Land, welches wir noch nie betreten haben. Wie also konnte unser Nächster uns sagen, wie es in unserem eigenen Land aussehen mochte?

Ja, wir begingen all diese Torheiten. Und wir tun es noch. Doch es ist Zeit, dies zu beenden. Es ist jene Zeit, in der wir entdecken, dass Wissen nicht mehr über die horizontale Ebene – von Meister zu Schüler – sondern auf vertikalem Wege empfangen wird, und zwar durch uns selbst von uns selbst. Wir erkennen, dass wahres Wissen niemals theoretischer Natur sein kann, denn Theorie ist nicht mehr als Hörensagen. Buchwissen ist geborgtes Fremdwissen und daher gleichbedeutend mit Nichtwissen. Wahres Wissen kann ausschliesslich durch Erfahrung gewonnen werden. Doch egal, was wir schliesslich glauben zu wissen, wir werden akzeptieren lernen, dass alles Wissen sich wandelt, so wie sich alles unaufhörlich wandelt. Wir leben in einer Wandelzeit und es ist Zeit für die Rückkehr zu uns selbst.

Deshalb wirf alle Meinungen über Bord, die nicht von dir selbst stammen. Lass jedes Urteil sein über Situationen, denn du kennst ihren Ausgang nicht.
Folge deinem eigenen inneren Ruf und finde endlich Vertrauen in deine Erfahrungen, Fähigkeiten und Träume.
Schaffe dir Raum für dich und deine wahre Schönheit, bringe dein Licht zum Ausdruck durch deine Einzigartigkeit.
Du musst deine Schatten nicht fürchten, denn sie sind notwendige Konsequenz deines Lichtes.
Nimm alle Masken ab, zeige mutig und aufrichtig der Welt dein Gesicht.

Du bist ein einziartiges Wesen, vollkommen im Sinne der Schöpfung. Sieh deinen Fingerabdruck und begreife, dass es da nur ein Maß gibt, an dem du dich messen kannst – du selbst!

In dir ist ein Ort der Stille, den es zu finden gilt, sonst irrst du ewig weiter auf der Suche nach dir selbst, verloren und unvollendet, als blasse Kopie von irgendwem.

Sei einfach du. Werde ein Schmetterling.

– David Peterson Pauswek

© 2011 by David Peterson Pauswek. Der hier veröffentlichte Text unterliegt einer Creative Commons Lizenz.
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